Interview mit Annik Rubens und Hartmut Grawe zu ersatz.tv

ersatz.TV Die durch ihren Audio-Podcast Schlaflos in München und andere Podcast-Produktionen bekannte Annik Rubens sitzt seit Neuestem nicht mehr nur hinterm Mikrofon, sondern jetzt bei ersatz.TV auch vor der Kamera.

Kurz nach dem Start der Gemeinschaftsproduktion haben Annik und Hartmut mir Rede und Antwort gestanden, was es mit ersatz.TV auf sich hat.

Wer ist alles an der Produktion von ersatz.TV beteiligt?

Harmut: Im Moment sind es drei Menschen: Annik Rubens, Hartmut Grawe und
Ralf Tritschler. Ich bin nicht nur seit über 15 Jahren mit Annik befreundet,
sondern auch selbst ein langjähriger Medienmensch. Ich habe in München
Journalistik und Informatik studiert und parallel beim Radio gearbeitet; insofern ist mir die Verlagerung medialer Inhalte auf den Übertragungsweg Internet nicht fremd.

Parallel zu meiner späteren Arbeit bei Antenne Bayern habe ich mit der Produktion von Wirtschaftsfilmen begonnen. Seit einigen Jahren bin ich als “Creative Director” und Gesellschafter der “Halle 5 Media GmbH” dafür zuständig, Inhalte für unsere Kunden möglichst so aufzubereiten, dass sie in einem oder mehreren Zielmedien optimal umgesetzt werden.

Innerhalb von ersatz.TV kann ich mich nebenbei auch wieder mit Themen beschäftigen, um die es in meiner täglichen Arbeit meist nicht geht. Da ich aber auch die post production der Folgen überwiegend selbst mache, ist das für mich eine gute Spielwiese, um Darstellungsformen auszuprobieren. Grenzen
gibt es dabei nur insofern, als es nicht zwei Jahre dauern soll, bis eine Folge fertiggestellt ist, und die Mittel für ersatz.TV äußerst überschaubar sind. Ach ja, das Webdesign habe ich auch verbrochen.

Ralf ist in erster Linie der Tonspezialist bei Halle 5 Media GmbH, übernimmt aber auch viele Aufgaben in der Filmproduktion. Bei ersatz.TV kommt ein Teil der Kamera-Arbeit von ihm, ebenso ein Teil der post production. Auch Ralf genießt es, in diesem Rahmen seiner Kreativität völlig freien Lauf zu lassen. Er ist ausgebildeter Toningenieur und arbeitet als solcher seit über 20 Jahren für Radio und Fernsehen, unter anderem für Antenne Bayern. Da er auch eine lange Theatervergangenheit hat, probiert er gerne aus, “was man sonst noch so machen kann”.

Das ist das bisherige ständige Team; nicht vergessen wollen wir außerdem
Axel Bahro, der als Spezialist für Puppen (Axel spielt im WDR den “Blaubär”)
und Special Effects den imposanten Elchkopf gebaut hat.

Annik, Du bist vielen Leute in der Podosphäre schon durch Deine
erfolgreichen Audiopodcasts bekannt. Was hat Dich bewegt, jetzt bei einem
Videopodcast mitzumachen? Wie fühlt es sich an, plötzlich nicht nur ein
Mikrofon, sondern auch eine Kamera vor der Nase zu haben?

Annik: Stimmt – ich mache seit vier Jahren Schlaflos in München und seit einiger Zeit noch dazu Slow German für Deutschlernende, das sind also schon zwei wöchentliche private Podcasts, bei denen kaum Geld rumkommt. Daher hab ich schon lange überlegt, ob ich mir noch so ein kreatives Baby überhaupt leisten kann. Aber ich kann es einfach nicht verstehen, warum es
so wenige gute deutsche private Videocasts gibt. Deswegen mache ich
ersatz.TV. Weil’s sonst keiner macht.

Nein, im Ernst: Ich habe noch nie Ambitionen gehabt, vor einer Kamera zu stehen. Ich bin ein Mikrofon-Junkie, ich liebe die Atmosphäre von Tonstudios, aber Kameras schrecken mich eher ab. Ich höre selber eben lieber als dass ich sehe. Ich habe vor einigen Jahren schonmal einen kleinen Videopodcast gemacht, und jetzt versuchen wir es noch einmal – und ich muss gestehen, es macht Spaß. Aber wahrscheinlich auch nur, weil ich das mit Freunden realisieren kann und wir auf einer Wellenlänge sind. Aber es gibt nach wie vor ein großes Aus- und Aufatmen, wenn die Scheinwerfer ausgehen, ich nicht mehr vom Teleprompter ablesen muss
und wieder ganz ich selbst sein kann…

In der Beschreibung zu eurem Videopodcast steht, dass die Zuschauer bei euch all das bekommen, “was Ihr im Fernsehen nicht bekommt.” Bei mittlerweile
hunderten Fernsehsendern, wird es schwierig ein Thema zu finden, was nicht
schon aufgegriffen wurde. Wie kommt ihr auf die Themen für neue Episoden?
Mögt ihr uns schon ein wenig von dem verraten, was in den nächsten Folgen
ansteht?

Harmut: Wir versuchen in ersatz.TV Themen aufzugreifen und auf unsere Weise
bekannt zu machen, die wir selbst spannend und interessant finden und die – oft ganz wichtig – an anderer Stelle unserer Meinung nach zu kurz kommen.
Die Mischung ist dabei bewusst querbeet – wer bei uns zuschaut, hat
hoffentlich Spaß daran, dass er eben nicht weiß, was ihn in der nächsten
Folge erwartet.

Wir wollen auch versuchen, zumindest von Zeit zu Zeit Fragen
zu beantworten, die für uns in anderem Zusammenhang einfach nie befriedigend
geklärt wurden. Das heißt, wir werden ab und zu Interviews führen, die
keinem der üblichen “Redaktionszwänge” unterliegen, als da oft sind: “Gibt’s
dafür einen aktuellen Anlass?”, “Ruft der Intendant an, wenn wir das
machen?”, “Bringt uns das genügend Quote?” – und so weiter. Wenn uns ein
solches Gespräch gelingt, wird es zusätzlich zu einer Kurzfassung innerhalb
der Folge in voller Länge abrufbar sein.

Der “eatr” aus der Pilot-Folge ist übrigens ein schönes Beispiel für ein
Thema, das unserer Meinung nach eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient
hätte – dem üblichen Redaktionsschema folgend wurde diese Meldung, als sie
aufkam, als reine Kuriosität betrachtet und abgehakt. Wenn Hartmut Zeit und
Mittel hätte, würde er im Gegensatz dazu allerdings gerne eine 30minütige
Dokumentation über diese Monströsität und ihre Hintergründe machen.

Annik: Kern unserer Recherche ist wirklich die eigene Neugier. Hartmut und
ich leben schon seit Jahren so: Wir treffen uns, und dann geht’s los mit
“haste schon gelesen”, “haste schon gehört”, und “meinste nicht auch”.
Vieles was wir nicht wissen, wird dann einfach detektivisch aufgespürt – und
genau das machen wir jetzt auch im Videopodcast. Es sind sicher ein paar
Themen dabei, die die Leute schon kennen, aber es gibt auch Dinge, die
überraschen werden. Die Mischung macht’s! Ich kann schonmal sagen, dass die
Themenbereiche von Archäologie bis Religion reichen, von Finanzwesen bis
Politik.

In welcher Frequenz wird der Podcast erscheinen?

Harmut: Wir wollen ersatz.TV staffelweise produzieren. Es wird also
demnächst in relativ schneller Folge die ersten zehn Folgen geben, dann
wieder eine längere Pause. Wir denken, das ist vorerst am machbarsten – alle
Beteiligten stemmen ersatz.TV vorerst nebenbei, das ist ein enormer
Kraftakt.

Annik: Man muss einfach mal den Aufwand sehen, den solche Podcasts machen.
Wir müssen alle unsere Miete bezahlen, und ich hab so schon ein schlechtes
Gewissen, weil ich derzeit drei private Podcasts mache, anstatt Geld zu
verdienen…

Der SWR3 hat einen Elch als Makottchen. Wollt ihr die Sendung ins Baden-
Württembergische Fernsehen bringen? Was habt ihr euch für Ziele gesetzt?
Wollt ihr mit Ersatz.tv Geld verdienen? Wenn ja, wie wollt ihr das machen?

Hartmut: Das sind ja ganz schön viele Fragen auf einmal. Also: Mit dem SWR
haben wir nichts zu tun. Der Elch ist einfach ein sympathisches Viech – und
auch aus großer Entfernung zweifelsfrei erkennbar. Wir haben nicht allzu
lange über verschiedene Tierarten nachgedacht; es ergab sich einfach so.
Muss an dem Geweih liegen.

Wir wollten aber unbedingt so jemanden wie Herrn Moose in der Sendung haben, weil er auch mal Dinge tun und sagen kann, die etwas neben der Spur liegen. Außerdem ist das ein ganz kleines Bisschen der Brechtsche “V-Effekt”: Der Elch kann hier und dort den Blickwinkel verändern. Nicht zuletzt ist er auch einfach flauschig.

Das Ziel ist zunächst mal, ersatz.TV einfach zu machen, weil es möglich ist.
Wir wollen sehen, was diese Produktionsweise hergibt und was nicht, und der
journalistische Ansatz ist absolut echt. Insofern wird ersatz.TV ganz sicher
keine Dauerwerbesendung. Geld verdienen wollen wir natürlich trotzdem gerne – Werbung und Sponsoring sind also sehr willkommen. Journalismus und Werbung
werden aber wie in einer guten Zeitung klar getrennt sein. Im übrigen wäre
es einfach dumm von uns, das Feld des Videocasts nicht zu besetzen und nur
tatenlos anderen dabei zuzusehen.

Was sich daraus letztlich ergibt, muss sich jetzt – dadurch, dass wir dieses Angebot starten – einfach zeigen. Wir hoffen, dass immer mehr Menschen gerne mitverfolgen werden, mit welchen Themen wir uns beschäftigen – und sind vorsichtig zuversichtlich, weil wir ja als Fernsehzuschauer selbst viel zu oft resigniert und kopfschüttelnd zweimal durch alle Kanäle zappen und dann entnervt abschalten. Nicht immer, aber zu oft. Daher der Name.

Annik: Also ich arbeite ja als Radiojournalistin sehr gerne und mit großem
Spaß für SWR2, daher hätte ich gar nichts dagegen, wenn die Kollegen aus
Baden-Baden uns ausstrahlen würden! Den Elch finde ich mittlerweile (nach
ehrlich gesagt anfänglichem Zögern) sehr cool, und allein die Reaktionen,
die wir beim Dreh draußen bekommen haben, waren grandios. Hunde bellen,
Senioren lachen, Kinder haben ein großes Fragezeichen im Gesicht – was will
man mehr!

Zum Geld verdienen: ersatz.TV läuft jetzt erstmal ganz ohne
finanzielle Unterstützung, daher müssen wir auch staffelweise produzieren
und in den Pausenzeiten dann einfach wieder beruflich mehr ranklotzen und
Geld ranschaffen, damit wir uns dann wieder ein paar Tage Verdienstausfall
für den Dreh leisten können. Mit einem Sponsor oder Werbung könnten wir es
uns eher leisten, das Ganze zu einem regelmäßig erscheinenden, wöchentlichen
Podcast zu machen.

Zu guter letzt sei mir noch folgende Frage an Herrn Moose gestattet. Leiden
Sie sehr unter Ihrem Geweih?

Nein, es trägt sich sehr angenehm. Man passt nur nicht durch die eine oder
andere Tür, das ist dann blöd.

Mein Dank geht an Annik und Hartmut für die ausführlichen Antworten. Schaut mal rein bei ersatz.TV! Das Produzententeam freut sich über Feedback Ein Sponsor darf sich auch melden.

Jetzt ist eure Meinung gefragt. Wie gefällt euch das Interview? Welche Fragen habt ihr vermisst? Was ist unbeantwortet geblieben? Soll ich weitere Interviews machen?

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Ein Kommentar zu Interview mit Annik Rubens und Hartmut Grawe zu ersatz.tv

  1. cpier sagt:

    Astrein. Natürlich bitte mehr Interviews in Zukunft!

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